Für den Bezirksbürgermeister von Berlin- Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), ist ein SPD-Ausschluss von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin nicht mehr völlig undenkbar.
Mit seinen jüngsten Äußerungen im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung“ habe Sarrazin eine Grenze überschritten, sagte Buschkowsky. "Dieses Interview am Tag der Anhörung der Landesschiedskommission über seinen möglichen Parteiausschluss, das war eine gezielte Provokation“, sagte Buschkowsky, der sich wie Sarrazin teils sehr kritisch zur fehlgeschlagenen Integrations- und Sozialpolitik geäußert hat.
Die Kommission traf in der Nacht zu Dienstag nach einer fast siebenstündigen Anhörung noch keine Entscheidung.
"Mit den Äußerungen in der SZ hat Sarrazin eine Grenze überschritten, das ist teils nackter Rassismus, das trage ich nicht mit“, so der SPD-Politiker. Buschkowsky bezog sich dabei vor allem auf die Passagen, ob es sinnvoll sei, noch mehr Geld in die Bildung der Kinder von Hartz-IV-Empfängern zu stecken.
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- Foto: M. Lengemann Burseg.NET stellt einige umstrittene Äußerungen des ehemaligen Berliner Finanzsenators und jetzigen Bundesbankvorstands Thilo Sarrazin vor. Im November 2002 sagte er zur Debatte über höhere Kita-Gebühren: "Es wird ja so getan, als ob der Senat die Kinder ins Konzentrationslager schicken wollte."
Nach Ansicht von Sarrazin ist Intelligenz "weitgehend erblich. Deshalb sei es auch eine Illusion zu glauben, man könne Menschen oder sogar soziale Schichtungen durch die Schule ändern. Wer mit 15 Jahren Schulversager sei, komme mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auch in seinem weiteren Leben nicht mehr in die Spur“, zitierte ihn die Zeitung.
"Jemanden, der als Teenager immer noch nicht richtig lesen kann, den lasse ich nicht zurück. Da sage ich: das ist nun mal so.“
Solche Einschätzungen sind für Buschkowsky "sehr nah an der Rassentheorie“. Zudem seien sie inhaltlich falsch. „Wenn Intelligenz tatsächlich vererbt würde, dann wären wir alle noch Kinder der Proletarier des 19. Jahrhunderts“, sagte Buschkowsky.
Die seien alle arm und ungebildet gewesen. Sarrazin leugne damit die Herausbildung einer Mittelschicht, die sich durch Bildung hochgearbeitet und so Schichten aufgebrochen habe. Bisher sei er ein "glühender Gegner eines Parteiausschlusses“ gewesen, weil eine so breit aufgestellte Partei wie die SPD auch Querköpfe wie Sarrazin aushalten müsse. "Nun bin ich kein bedingungsloser Gegner mehr“, so Buschkowsky.
Der frühere Berliner Finanzsenator und heutige Bundesbanker Thilo Sarrazin macht regelmäßig mit deftigen Sprüchen zu Politik und Gesellschaft auf sich aufmerksam:
März 2002 zum Berliner Stadtbild:
"Nirgendwo schlurfen so viele Menschen in Trainingsanzügen durch die Straßen wie in Berlin."
Januar 2005 zur geplanten Länderfusion:
"Das vereinte Land Berlin-Brandenburg ist natürlich immer eine Stadt Berlin mit angeschlossener landwirtschaftlicher Fläche."
August 2006 zur Berliner Finanzlage:
"Lassen Sie mich mal so sagen: Der Schutt ist abgeräumt. Wir leben nicht mehr im Jahr 1945, sondern wir leben im Jahr 1947."
Februar 2008 zum Thema Schwarzarbeit:
"Ehe jetzt einer im 20. Stock sitzt und den ganzen Tag nur fernsieht, bin ich schon fast erleichtert, wenn er ein bisschen schwarz arbeitet."
Februar 2008 zu seinem Speiseplan für Hartz-IV-Empfänger:
Für 4,25 Euro könne man sich "vollständig, gesund und wertstoffreich ernähren".
In der Zeitschrift "Lettre International", Oktoberausgabe 2009:
"Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert."
In der Zeitschrift "Lettre International", Oktoberausgabe 2009:
"Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate."
In der Zeitschrift "Lettre International", Oktoberausgabe 2009:
"Je niedriger die Schicht, desto höher die Geburtenrate. Die Araber und die Türken haben einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an Geburten, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Große Teile sind weder integrationswillig noch integrationsfähig. Die Lösung dieses Problems kann nur heißen: Kein Zuzug mehr, und wer heiraten will, sollte dies im Ausland tun."
In der Zeitschrift "Lettre International", Oktoberausgabe 2009:
Über den ehemaligen Berliner Senatsbaudirektor Hans Stimmann: "ein leicht verhaltensgestörter Senatsbaudirektor"
Gegenüber dem "Handelsblatt", 27. November 2009
Über Kanzlerin Angela Merkel: "Ich rate der Bundeskanzlerin, sich mal im stillen Kämmerlein einzuschließen, zwei Tage ruhig nachzudenken und sich zu überlegen, was sie wirklich will." Außerdem sei ihre aktuelle Politik „ein müder Wiederaufguss der späten Kohl-Jahre".
Gegenüber sueddeutsche.de über Sparmöglichkeiten bei Hartz-IV-Empfängern, 1. März 2010
"Kalt duschen ist doch eh viel gesünder. Ein Warmduscher ist noch nie weit gekommen im Leben."
Auf der Veranstaltung „Freiheit, die ich meine - Chance und Grenzen der Integration", 9. März 2010
Sarrazin steht zu seinen provokanten Äußerungen über Ausländer. „Ob das gelungen war oder nicht, es hat gewirkt."
Auf der Veranstaltung „Freiheit, die ich meine - Chance und Grenzen der Integration", 9. März 2010
„Integration ist zu 80 Prozent eine Bringschuld und keine Holschuld."
Auf der Veranstaltung „Freiheit, die ich meine - Chance und Grenzen der Integration", 9. März 2010
„Meine Lösung ist mehr Bildung", sagte Sarrazin (...) Kinder müssten ordentlich kontrolliert werden, ob sie ihre Hausaufgaben gemacht hätten. Würden sie dem zweimal nicht nachkommen, „dann wird eben das Kindergeld um 50 Prozent gekürzt".
Im Interview mit der "Saarbrücker Zeitung", 1. April, 2010
„Es muss in einer Gesellschaft auch eine gewisse Menge Streit, Krach und Kontroverse geben, denn es gibt ja auch unterschiedliche Interessen. Die deutsche Harmoniesucht hat doch dazu geführt, dass viele Dinge gar nicht klar genug benannt und dann aufgeschoben werden."





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