Mit
Google Alerts hat Google ein weiteres geniales Produkt gelauncht, welches ich mir gar nicht wegwünschen möchte.

Über eine Eingabemaske kann ich einen Suchbegriff oder eine Suchwortkombination eintippen und anhand von weiteren Einstellungsmöglichkeiten festlegen, wie die Suche ausgeführt werden soll. Ich kann festlegen, ob mein Google Alert über die Websuche, Newssuche, Bildersuche oder Usenetsuche nach meinem Begriff fahnden soll. Zusätzlich kann ich festlegen, wie häufig ich über meine privaten Suchergebnisse informiert werden möchte: täglich, wöchentlich oder sobald sie gefunden werden. Die Ergebnisse werden dann an meine Googlemail-Adresse geschickt oder können als privater RSS-Feed in den eigenen Feedreader oder Google Reader übernommen werden. Genial.
Einsatzmöglichkeiten: Ego-Suchen, Marken/Brand-Suchen, Nachrichten, interessante Themen - alles, was einen interressiert. Besonders beliebt sind Namen, Produkte oder Geschehnisse.
Zum Anlegen, Editieren und Verwalten meiner persönlichen Alerts benötige ich einen Google Login. Ich kann meine Alerts verwalten, sobald ich eingeloggt bin. Klar. Es sind ja meine privaten Suchbegriffe, die ich da eingebe. Das sind Daten, die ich nicht wirklich jedem mitteilen möchte. Und bei Google sind meine privaten Daten ja auch gut aufgehoben. Oder?

So langsam kommen wir zum interessanten Teil. Auch das Löschen eines Alerts kann ich nur im eingeloggten Zustand durchführen. Ich wähle einfach die entsprechenden Alerts aus und klicke auf den "Löschen"-Button (siehe Bild).
Die Aktion wird durchgeführt und in der jetzigen Version des Produktes verschwindet der Alert einfach aus der Liste. Mehr passiert sichtbar gar nicht.
Es gibt aber noch eine zweite Möglichkeit, meine Alerts zu löschen:

In meinem E-Mailaccount erscheinen Google Alerts als normale E-Mail. Ich bekomme ein snippetähnliches Suchergebnis mit aktuellen Einträgen zu meinem Alert. Am Ende der E-Mail folgen ein paar Links, die es mir ermöglichen, meine Alerts zu verwalten, neue Alerts anzulegen oder bestehende Alerts zu löschen.
Google bietet diese Möglichkeit u.a. aus Bedienbarkeitsgründen. Es ist hier mit einem einzigen Klick möglich, den Alert zu löschen und somit die Alert-Mail nicht mehr zu erhalten. In Deutschland könnte dieses Verhalten sogar rechtliche Gründe haben - ein Nutzer soll sich seinen "Newslettern" entledigen können, ohne großartige Login-Prozesse durchführen zu müssen.
Leider öffnet Google mit genau dieser Methode ein Schlüsselloch, durch das man perfekt hindurchsehen kann.
Eine Google Suche nach [
site:google.com/alerts/remove] liefert zurzeit knapp 200 Treffer. Dahinter verbergen sich indexierte Remove-Seiten aus unterschiedlichen Ländern. In den Snippets findet man Ergebnisse wie:
Was hier zu sehen ist, ist die indexierte Alert-Löschen-Seite eines Nutzers, der nach dem Suchwort [
cervial cancer] (Gebärmutterhalskrebs) sucht und über neue Ergebnisse informiert werden will. Dieses Beispiel zeigt auch gleichzeitig die Auswirkung, die in dem Indexieren von Alert-Löschungen liegt. Die Eingaben sind nicht nur private Daten, sondern vor allem auch höchst intime Einblicke dessen, was uns so sehr bewegt und fesselt, dass wir dafür automatisch informiert werden möchten, sobald es zu neuen Ergebnissen kommt: Nachrichten, Sex, Krankheiten, Finanzen,...
Die Suchpattern stehen bereits auf den Google Suchergebnisseiten in den Snippets. Teilweise sind sogar Cache-Versionen der Ergebnisse verfügbar:
Google-Alert Cache-Version
Ich habe die zu findenden Alerts einmal aus den Google-Ergebnisseiten herausgefiltert:
alerts.txt
In dem Textfile konnte ich keine Daten finden, die es ermöglichen, aus den Suchen auf eine Person zu schließen.
Es handelt sich um 185 indexierte Sucheingaben, die Nutzer von Google Alerts eingerichtet hatten und löschen wollten. Dass die Alerts gerade durch das Löschen in den Google Web Index aufgenommen werden, ist natürlich besonders zynisch.
Mit knapp 200 indexierten Seiten ist die Menge der veröffentlichten persönlichen Daten durch Google natürlich sehr gering. Grundsätzlich sollte Google sich jedoch fragen warum diese Seiten es in den Index geschafft haben. Muss eine Seite normalerweise verlinkt sein, um es in die Webergebnisse zu schaffen, gibt es - bis auf die E-Mail - keinen Link auf die jeweilige, personalisierte Löschseite.
Bild:
Screenshot Seite 01 indexierte Google-Alerts
Bild:
Screenshot Seite 02 indexierte Google-Alerts
Es handelt sich hier nicht um eine Daten-Katasrophe wie die
AOL-Suchdaten aus dem August 2006. Jedoch gibt es hier im Produkt Google Alerts einn Kratzer im Lack, den Google auspolieren sollte, bevor Alerts indexiert werden, die wirkliche Geheimnisse über Individuuen verraten, die diese Nutzer im Vertrauen auf Sicherheit oder ohne Nachdenken in einen Suchschlitz eintippen.